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Wissensarbeit als Forschungsarbeit – Jahresbericht 2010
Die Fachgruppe Informatik und Gesellschaft befasst sich mit anwendungsorientierten, aber nicht anwendungsspezifischen Konzepten und Methoden zur Gestaltung von IT-Systemen. Neben der Entwicklung von Methoden zur Erfassung relevanter Aspekte des Einsatzkontextes geht es darum, einen theoretischen Rahmen für eine hypothesengeleitete Technikgestaltung zu entwickeln. Ziel ist es, die multidisziplinäre Begriffswelt in einen kohärenten Hintergrund für die Gestaltung von Informatiksystemen zu integrieren. Unter dem Oberbegriff der koaktiven Wissensarbeit entwickeln wir in drei Forschungsfeldern (Ergonomie, kooperationsunterstützende Systeme und E-Learning) entsprechende Gestaltungshypothesen, setzen sie um und werten ihre Brauchbarkeit aus.
Im Graduiertenkolleg „Automatismen“ wurde auch im vergangenen Jahr der interdisziplinäre theoretische Diskurs im Rahmen medienwissenschaftlicher Untersuchungen fortgesetzt. Stärkere Bedeutung erlangte jedoch die Umsetzung unserer Konzepte in die betriebliche Praxis. So erfolgte im Frühjahr die Ausgründung der „coactum GmbH“. Sie widmet sich der Betreuung der koaLA-Plattform an der Universität Paderborn und hat sich zugleich ein zweites Standbein mit der Entwicklung einer E-Learning-Plattform für das Bäckereigewerbe geschaffen. Mit gleich zwei Anwendungsbereichen vom Start weg hat die Firma gezeigt, dass das Know-how der Fachgruppe in diesem Umfeld vielfältig und flexibel vermarktet werden kann.
Im universitären Bereich haben wir mit dem Aufbau des e-lab eine organisatorisch-technische Infrastruktur geschaffen, die es ermöglicht, neue und innovative Lehr- und Lernszenarien möglichst nah an der späteren Praxis zu entwickeln und zu erproben (elab.uni-paderborn.de). Dazu haben wir eine Plattform installiert, die in allen wesentlichen Punkten der in der Universität eingesetzten Plattform koaLA entspricht, jedoch um Module für neue Szenarien angereichert ist. Im Projektrat sind neben den gegenwärtig fünf Kooperationspartnern aus verschiedenen Fakultäten auch die Stabsstelle für E-Learning und die Vizepräsidentin für Lehre, Studium und Qualitätsmanagement der Universität Paderborn vertreten sowie im Rahmen der im letzten Jahr begründeten regionalen Bildungspartnerschaft ein Vertreter des Regierungspräsidiums Detmold.
Ein weiterer Meilenstein war der Abschluss des Projekts mit der Daimler AG im Geschäftsbereich Lkw, wo eine Plattform für den koaktiven Umgang mit Produktentwicklungsplänen (KoPeP) prototypisch umgesetzt und evaluiert werden konnte. Die äußerst positiven Ergebnisse stießen auch in der Bus- und der Pkw-Sparte des Unternehmens auf großes Interesse, sodass jetzt auf der Basis des entwickelten Prototypen eine Ausschreibung für ein compliance-konformes System erfolgen soll.
Auch im akademischen Bereich geraten zunehmend Fragen der IT-gestützten Gestaltung von Wissenschaftlerarbeitsplätzen in den Vordergrund der Betrachtung. Im Rahmen der Kooperation mit dem Laboratorium für technische Mechanik wurde die serviceorientierte Modularisierung und Integration weiter konsolidiert. Daneben gelang es in Kooperation mit dem Zentrum für Informations- und Medientechnologien (IMT) und dem Lehrstuhl für Materielles und Immaterielles Kulturerbe UNESCO, ein durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft gefördertes Projekt einzuwerben, in dem eine virtuelle und koaktive Arbeitsumgebung entwickelt und aufgebaut wird, welche die Sammlung, Erschließung, Erforschung und Archivierung von materiellem und immateriellem Kulturerbe unterstützen soll. Unter der Bezeichnung „Studiolo communis“ sollen neue Formen der persistenten Verknüpfung und Bearbeitung von Medienobjekten aus unterschiedlichen Datenquellen erforscht und umgesetzt werden. Auch hier spielt natürlich die Integration in die universitäre Infrastruktur eine wichtige Rolle.

