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Jahresbericht 2009

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Koaktive Wissensarbeit – Ein Trend in der Arbeitswelt; Jahresbericht 2009

Die Arbeitsgruppe Informatik und Gesellschaft befasst sich mit anwendungsorientierten aber nicht anwendungsspezifischen Konzepten und Methoden zur Gestaltung von IT-Systemen. Das Konzept der Wissensarbeit verkörpert beispielsweise ein solches anwendungsbezogenes aber nicht anwendungsspezifisches Konzept. Im Vordergrund steht die Produkt-Prozess-Komplementarität, d. h. wir unterscheiden sorgfältig zwischen den Aspekten und Merkmalen des Werdens (Entwicklungsprozess) und den Eigenschaften und Attributen des Gewordenen (Produkt).

Wenn z.B. ein Dokument hierarchisch strukturiert ist, so muss es nicht in der Zeit auch entlang dieser Struktur entwickelt werden (z.B. Top Down). Vielmehr unterscheiden sich die Zwischenprodukte und die Abfolge einzelner Entwicklungsschritte in der Regel erheblich von der endgültigen Produktstruktur auch wenn diese eine gewisse Orientierungsfunktion verkörpert. Was Personen oder Teams jeweils leisten müssen, um auf der Basis verschiedenster Produkte (Anforderungsdefinition, Lösungsentwürfe, Entwicklungspläne, etc.) sich allmählich dem endgültigen Produkt anzunähern, bezeichnen wir als Wissensarbeit. Die entscheidende Herausforderung sehen wir darin zu ermitteln, in welcher Form technische Funktionen Wissensarbeit unterstützen können. Primärer Gegenstand unserer wissenschaftlichen Untersuchungen ist somit nicht das Wissen selbst, sondern wie Wissen in kreativen und produktiven Prozessen geschaffen und genutzt wird.

Auf der grundlegenden theoretischen Ebene konnten wir mit dem Graduiertenkolleg „Automatismen“ einen interdisziplinären Rahmen für den – in diesem Fall medienbezogenen – interdisziplinären Diskurs schaffen. Auf der strategischen Umsetzungsebene waren wir maßgeblich an der Ausarbeitung des Antrags der Universität Paderborn für den Wettbewerb „Exzellente Lehre“ beteiligt, der vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Kultusministerkonferenz ausgeschrieben worden ist. Der Antrag mit dem Titel: „Vom Lernen zur Wissensarbeit – Individuelle Kompetenzentwicklung in der Universität der Informationsgesellschaft“ wurde unter 107 Einreichungen für das Finale mit zwölf weiteren Antragstellern ausgewählt.

Im Bereich eLearning fand im Wesentlichen die Konsolidierung des an der Universität Paderborn eingesetzten Systems koaLA (koaktive Lern- und Arbeitsumgebung) statt. Dazu gehörten u.a. die stärkere Einbettung in die Dienste Infrastruktur der Universität – speziell das System PAUL – und die Vorbereitung einer Firmenausgründung zur Vermarktung von Dienstleistungen rund um koaLA.

Ein weiterer Meilenstein im Bereich eLearning ist der Abschluss einer 5-jährigen Bildungspartnerschaft zwischen der Universität Paderborn und der Bezirksregierung Detmold zum Aufbau vernetzter Bildungsräume. Unter der Bezeichnung „Dialog 2.0: Wissen teilen — Region stärken“ sollen auf der Basis der von uns entwickelten Plattform „bid-owl“ der Dialog und die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Einrichtungen und Firmen der Region verstärkt und ausgebaut werden. Schließlich wurde im Rahmen des Projekts LARS („Lernen auf Reisen“-Schule) ein neues Konzept – die mobilen virtuellen Schreibtische (Mokodesk) – zur Unterstützung der Betreuung von reisenden Schülern entwickelt und umgesetzt.

Das Konzept der Wissensarbeit gewinnt auch in Unternehmen zunehmend an Bedeutung. So arbeiten wir zusammen mit der Daimler AG erfolgreich an neuen Verfahren des „Kooperativen Umgangs mit Produktentwicklungsplänen“ (koPEP) auf der Basis koaktiver Unterstützungsfunktionen. Zusammen mit der Firma „Stahl – Partner für Bäcker“ geht es um die Entwicklung einer koaktiven Lernumgebung für Großbäckereien, die zugleich die Kommunikation und Identifizierung der Mitarbeitenden in den Filialen mit dem jeweiligen Unternehmen fördern soll.

Das bedeutendste Vorhaben ist jedoch das Projekt DAWINCI. Unter der Konsortialführung der Arbeitsgruppe arbeiten wir zusammen mit Prof. Niclas Schaper vom Fachgebiet Arbeits- und Organisationspsychologie der Universität Paderborn und sieben industriellen Partnern aus dem Weiterbildungs- und Chemiebereich daran, Konzepte und Methoden zur Durchlässigkeit in der Aus- und Weiterbildung der chemischen Industrie zu entwickeln. Wir entwickeln sowohl für die Projektarbeit wie auch die spätere Umsetzung die koaktive Plattform. Weitere Arbeiten, die sich mit neuen Formen koaktiver Unterstützungsfunktionen im Bereich der begrifflichen und räumlich-visuellen Repräsentation von Wissen befassen, stehen kurz vor dem Abschluss.


Service-orientierte Architektur für koaktive Wissensarbeit


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