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Erwägungsmethoden online

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 Dr. Bettina Blanck

 

Netzgestützte Diskussionen in virtuellen Wissensräumen

Der kooperative Umgang mit Wissensvielfalt ist zu einer entscheidenden Herausforderung für die Wissensgesellschaft geworden. Leider spiegelt sich dies in bestehenden didaktischen Szenarien und Lernumgebungen kaum wider. So ist es beispielsweise mit den üblichen Lernplattformen und Mechanismen Web-basierten Lernens nicht möglich, Dokumente im Verlauf des Lehr-/Lernprozesses flexibel zu arrangieren und miteinander in Beziehung zu setzen, sodass Abhängigkeiten zwischen den Dokumenten diskursstrukturierend genutzt und entsprechend auch visualisiert werden können. Dies ist aber ein wesentliches Moment bei der didaktischen Umsetzung erwägungsorientierter Ansätze.

Lernplattformen basieren auf einem Publikationsmodell (Autor → Leser, Sender → Empfänger) und orientieren entsprechend auf die Erstellung (Autorensysteme) und Publizierung (Lernmanagementsysteme) von Lernmaterialien und bieten dementsprechend keine adäquaten kooperationsunterstützenden Funktionen an. Da, wo Möglichkeiten einer flexiblen Diskursunterstützung vorhanden sind, mangelt es meist an der notwendigen Persistenz, die es gestattet, Dokumente und ihre Beziehungsstrukturen sowohl flexibel ändern zu können (kooperatives Schreiben) als auch den jeweils aktuellen Zustand über mehrere Sitzungen hinweg erhalten zu können.

Genau dieses Defizit sollte durch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen dem Forschungsbereich Erwägungskultur (Dr. Bettina Blanck) und dem Fachgebiet Informatik und Gesellschaft näher untersucht und konstruktiv behoben werden. Dazu wurden zum einen bestimmte Diskursstrukturierungsverfahren wie z. B. Pyramidendiskussionen oder das „Thesen-Kritik-Replik“-Verfahren auf der Basis virtueller Wissensräume umgesetzt und im Rahmen von Präsenzveranstaltungen, aber auch verteilten universitätsübergreifenden Seminaren erprobt und evaluiert. Dazu stellten sowohl die Fakultät EIM (Elektrotechnik Informatik Mathematik) als auch die Fakultät KW (Kulturwissenschaften) gleichermaßen Mittel für ein Starthilfe-Projekt zur Verfügung.

Im Rahmen dieses Projekts wurde zunächst die Pyramidendiskussion umgesetzt und in einem Präsenz- und einem verteilten Seminar in Zusammenarbeit mit Dr. Christiane Schmidt von der Universität Hildesheim erfolgreich erprobt. Dabei wurden sowohl diverse Implementierungsschwächen erkannt als auch – teilweise aufgrund dieser Schwächen – eine neue Variante der Methode entwickelt, die „Kommentierungspartnerschaft“ genannt wurde. Mit Hilfe von Kommentierungspartnerschaften lassen sich z. B. Partnerschaften zwischen Expertinnen bzw. Experten und Laien oder die Unterstützung von Diskussionsprozessen durch Reflexionsbegleitungen arrangieren.

Die Ergebnisse des Projekts wurden bei mehreren Gelegenheiten einer sehr interessierten Fachöffentlichkeit im Rahmen von lokalen Veranstaltungen (Tag der Hochschuldidaktik), landesweiten Workshops (Münster) und auf internationalen Tagungen präsentiert (Dresden, Rostock).

Schließlich wurde aus dem Starthilfe-Projekt heraus ein Tandem-Projekt bei der VW Stiftung konzipiert und von Dr. Dipl.-Päd. Thorsten Bührmann (KW) und Dr. Dipl.-Ing. Olaf Nowaczyk (EIM) unter dem Titel: „Erwägungskultur in der Informationsgesellschaft (ErwIn): Neue Wege eines medial gestützten kooperativen Umgangs mit Wissensvielfalt in Lern- und Entscheidungsprozessen“ eingereicht. Die Entscheidung über die Förderung steht noch aus. Unabhängig davon werden derzeit die jeweiligen Verfahren konsolidiert und zugehörige technische und didaktische Handreichungen erarbeitet.



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