
Gefördert durch:
Bundesministerium für Bildung und Forschung
FKZ: 16|1531
Weitere Informationen:
Manipulierbare Objekte in digitalen Systemen
MObiDig ist eine vom BMBF im Auftrag des VDI/VDE geförderte Studie im Bereich „Innovations- und Technikanalysen“, die vom 01.10.2004 bis 15.10.2005 durchgeführt wurde. In der Studie wurden Potenziale und Risiken von Digitaltechnologien am Beispiel der computerunterstützten Fahrzeugtechnologie erhoben.
Digitale Prozessoren spielen im Automobil eine zunehmend entscheidende Rolle. Die Handhabung und Manipulation digitaler Objekte, die man bislang nur vom heimischen Computer kannte, hält jetzt auch im Automobil Einzug. Betrachtet man heute bereits eingeführte Innovationen wie Fahrerassistenz- und Navigationssysteme einerseits und Probleme mit der Verlässlichkeit digitaler Systeme andererseits, dann stellt sich die Frage, ob das Auto evtl. sogar zu einem fahrenden PC mutieren wird.
Ziel dieser Studie war es den Stand der Kunst speziell in Bezug auf die Manipulation digitaler Objekte in Automobilen zu analysieren und insbesondere vor dem Hintergrund von Erfahrungen aus dem Bereich Software-Ergonomie und Datenschutz Potenziale und Risiken abzuschätzen. Da eine solche Betrachtung bislang in keiner der uns zur Verfügung stehenden Studien angestellt worden ist, galt es zunächst einen geeigneten begrifflichen Rahmen zu entwickeln. Dazu haben wir begriffliche Differenzierungen vorgenommen und jeweils die Kombination der Manipulation mechanischer und elektronischer Systeme vermittels analoger und digitaler Schnittstellen analysiert und systematisch aufbereitet. Um Potenziale und Risiken abzuschätzen, wurden dann über verschiedene Nutzungskontexte, die mit Hilfe von Rollen alltagstypische Zugriffs- und Manipulationsmöglichkeiten charakterisieren, Probleme und Möglichkeiten aufgezeigt. Dieses innovative Rollenkonzept dient dazu den „Lebenszyklus“ digitaler Daten, idealerweise über den gesamten Nutzungszeitraum eines Fahrzeugs, zu ermitteln. Es basiert auf der Einordnung von Aufgaben und Rechten eines Benutzers in/an einem Automobil oder im Kontext der Nutzungsumgebung des Automobils.
Aufgrund dieser Untersuchungen lässt sich feststellen, dass ein großes Innovationspotenzial im Bereich der automatisierten Unterstützung der Fahr- und Steuerprozesse liegt, wenn dabei gewährleistet bleibt, dass die Fahrer jeweils die Kontrolle über alle Phasen dieser Prozesse haben. Große Potenziale könnten sich jedoch auch im Bereich der Umgebungssysteme ergeben (Unfall-, Diebstahl-, Verkehrsplanungs- und Steuerungssysteme etc.) wenn sichergestellt werden kann, dass Zugriffsbeschränkungen existieren, die die Erstellung von Fahr- und Fahrerprofilen verhindern oder erschweren bzw. rechtlich einwandfreie Regelungen in Bezug auf den Datenschutz getroffen sind. Ein großes Wirtschaftlichkeitspotenzial liegt weiterhin in der Standardisierung von Schnittstellen und Systemkomponenten, da nur so ein offener und herstellerunabhängiger Wettbewerb im Bereich der Zulieferer und der Wartungsdienste gewährleistet werden kann. Trotz der zunehmenden Mediatisierung des Autos durch die Manipulation digitaler Daten wird es das Automobil als digitalen PC nicht geben, wohl aber die Nutzung der PC-Technologie durch Mitfahrer.

